lande billige Massengüter, und vor allem Waren zur Befriedigung des Luxusbedürfnisses, einzutauschen. Früher hatten die der Grenze nalic liegenden Teile Deutschlands aus der Frachtersparnis Vorteile ziehen and ausländische Lebensmittel billig einführen können. Jede Erhöhung der Ertrags- fähigkeit und jede Vergrößerung der Erzeugung hochwertiger Produkte hatte nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage die Einfuhr solcher Lebensmittel, und namentlich solcher Luxusartikel, anschwellen lassen. Und das so hergestellte Gleichgewicht der wirtschaftlichen Weltkräße hatte sich in der Organisation des Handels und der Industrie seine aus- führenden Organe geschaffen.
Jetzt galt es, das deutsche Ackerland nach neuen Grundsätzen unter die zu erzeugenden Bodenprodukte aufzuteilen, neue Transportwege zu bahnen und den Verbrauch sowohl der Art wie der Menge nach, und unter Verzicht auf den größten Teil der Luxuswaren, wissenschaftlich zu regeln. Dabei fehlte es aber an Organisationen, die aus dem freien Wett bewerb und der allmählich sich ausgestaltenden Anpassung an die wirt- schaftlichen Zusammenhänge entstanden waren. Diese plötzliche Umforming der deutschen Volkswirtschaft mußte sich deshalb zunächst als Störung der bisherigen Organisationsformen füllbar machen. Sie rief planlose Preisschwankungen und Preissteigerungen hervor, die in einigen Fällen durch künstliche Manipulationen noch verschärft wurden.
Gegen diese Mißstände richtete sich dann sehr bald der Unwillen des gesamten deutschen Volkes. Die Bundesbehörden aber griffen jetzt zu dem Mittel, das allein dauernde Abhilfe schalten konnte, zu der Systematisierung der gesamten deutschen Volkswirtschaft, die ans genauer Kenntnis der bestehenden Verhältnisse und des vor. handenen Bedarfes die langsame Einlebung in die veränderten wirtschaft- lichen Aufgaben schnell und wirksam ersetzt.
Weder die deutseben Bundesbehörden noch die deutschen politischen Parteien noch irgendein vernünftiger Mensch in Deutschland haben dabei auch nur einen Augenblick die Ge- wißheit dessen verloren, daß bei richtiger Erzeugung und richtiger Verteilung Deutschland auf Jahrzehnte hinaus, ja dauernd als in sich geschlossener Wirtschaftskörper sich selbst genügen kann. Verschiedenheit der Meinungen herrschte einige Zeit lang nur über die Art und den Umfang der notwendigen Eingriffe in die Freiheit des Wirtschaftslebens. Bei der unendlichen Vielfältigkeit der wirtschaftlichen Abhängigkeiten mußte jede hehördliche Regelung einer einzelnen Frage zalillose andere nach sich ziehen. Wer die Preise und den Verkauf des Rindviebs regeln will, muß für eine Regelung der Märkte fir Leder, Bunter, Milch, Käse, Futtermittel usw. vorbereitet sein. Und wirksames Handeln war erst dann möglich, wenn eine neue Systematik der ganzen Volkswirtschaft auf Grundlage genauester Erhebungen über die Möglichkeiten der Erzeugung und die Bedürfnisse des Verbrauches vorlag.
Diese Vorarbeiten sind jetzt geleistet, und Schlag auf Schlag erfolgen jetzt die Verordnungen, die die gesamte wirtschaftliche Existenz Deutsch- lands auf eine neue, in der modernen Geschichte unerhörte Basis stellen. Diese Verordnungen sind kein Zeichen der Schwäche und keine Kinder der Not. Sie sind der entschlossene Ausdruck der deutschen Siegesgewißheit und des deutschen Willens zum Siege. Jeder Deutsche weiß, daß die Feinde seinem Vaterlande die Freiheit und das Recht der Selbstbestimmung rauben, daß sie in ihm hausen wollen wie die Russen in Finnland und Polen und wie die Engländer in Irland, Indien und Ägypten. Jeder Deutsche weiß, daß sein Vaterland die Kraft hat diesem weltgeschichtlichen Verbrechen siegreich entgegenzutreten. Und deshalb ist jeder Deutsche entschlossen, den Sieg nicht den Gefahren auszusetzen, die mit einer sich selbst überlassenen Umwandlung der Volks wirtschaft in diesem gewaltigsten aller Kriege verbunden sind. Daß diese Rechaung aber richtig ist, daß Deutschland militärisch und wirtschaftlich allen seinen Feinden gewachsen ist, das beweisen die Erfolge, die die deutschen Heere gemeinsam mit ihren Verbündeten in Polen, Kurland,
Serbien, Belgien, in der Champagne und auf anderen Schlachtfeldern er- rungen haben, das beweist die Tatsache, daß Deutschland nach 16 Kriegs- monaten wirtschaftlich unerschüttert dasteht, und das wird auch der schließliche Ausgang des ganzen Krieges beweisen.
DARLEHNSKASSEN UND KRIEGSANLEIHEN.
Jede Kritik, die die Feinde Deutschlands an seinen Kriegsẞnanzen üben, gipfelt in der Behauptung, daß die deutschen Kriegsanleihen nicht mit wirklichen Werten aus dem Vermögen des deutschen Volkes, sondern mit fiktiven Werten bezahlt seien, die die deutsche Regierung durch künstliche Kreditoperationen selbst geschaffen und den Anleihezeichnern zur Verfügung gestellt habe. Dieser Vorwurf aber soll vor allem die Mitwirkung der Darlehnskassen an den mit Recht von den anderen be- neideten glänzenden Erfolgen der deutschen Kriegsanleihen treffen.
Tatsächlich schaffen die Darlehuskassen durchaus keine fiktiven Werte, sondern beleiben wirklich im Vermögen des deutschen Volkes vorhandene Werte. Sie geben niemandem Kredit auf sein ehrliches Gesicht oder in der Hoffnung, daß er irgendwann cinma) seine Schulden werde bezahlen können. Wie jedes Bankgeschäft der Welt beleiben sie Vermögensobjekte, wobei die Beleibungsgrenze unterhalb des wirklichen Wertes der verpfändeten Gegenstände und der Lombardziosfuß oberhalb des landesüblichen Zinsfirßes, das heißt des Reichsbankdiskontes. festgesetzt ist. Sollte also ein Schuldner der Darlehnskassen seinen Ver- pilichtungen nicht gerecht werden können, so würde die Kasse sich reich- lich durch den Vorkauf der verpfändeten Objekte schadlos halten können. Außerdem aber haben diese rein bankmäßigen und auch in Friedens- zeiten gebräuchlichen Operationen der Darlehnskassen bei der Bezahlung der Kriegsanleihen nicht entfernt die Rolle gespielt, die diğ feindlichen Kritiker ihnen in böswilliger Absicht schreiben. Zallen beweisen in dieser Hinsicht am besten. So wurden auf die erste Kriegsanleihe gezeichnet 4 460, auf die zweite 9060 und Auf die dritte 12 101 Millionen Mark. Die Einzahlungen hierauf und die Summen der insgesamt ausstebenden Beihilfen der Darlehnskassen aber stellten sich an den einzelnen Daten wie folgt (in Millionen Mark):
Einzahlungen Darlehossassen
801,9 (erste Anteile) 750,+
7. November 1914.....
3 578,2
14.
3673.8
20.
3769,9
651
16. Dezember
4209
729
T. ME 1915
7193
443,3 (zweite Anleihe)
7461
441!
7830
638,2
31
+
7 978
602.1
7. Juni
BOBO
439.1
$210,3
411.5
8 202,7
6033
$687,4
495
7. Juli
8 469
300
1. Oktober1913.
€ 420.9
191,3 (dritte Anlcilic)
7576,3
216
8 732,5
6858
9006
$90.2
6. November 1815..
16.
9415,7 9-739,5
54211
490,8
zu-
Aus diesen Zahlen geht hervor, daß die zu Einzahlungen auf- genommenen Darlehen in einer dem regelmäßigen Bankgeschäft durchaus entsprechenden Weise sehr bald abgetragen worden sind. Sie beweisen aber ferner noch, daß der prozentuale Anteil der Darlehnskassen an den Kriegsanleihen sich im Verlaufe des Krieges verringert, wie denn die Wiederbelebung der deutschen Volkswirtschaft entsprechende Fortschritte gemacht hat. Am 7. November 1914 stammten ungefähr ein Viertel der Einzahlungen aus Darlehen, am 7. Mai 1915 nur noch ein Sechzehntel, ain 22. Mai ein Fünfzehntel, am 7. Oktober 1915 ein Dreiundreißigstel und am 15. November 1915 ein Zwanzigstel.
Eine schlagendere Widerlegung der gegen die Darlehnskassen er- hobenen Vorwürfe ist kaum denkbar; wer diesen Beweis ablehnt, zeigt nur, daß er vernünftigen Erwägungen nicht mehr zugänglich ist.
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